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In der jüngsten Geschichte der Menschheit hat sich unsere Gesellschaft kontinuierlich verändert. Insbesondere die Position und Bedeutung von Geschlechterrollen hat dabei – glücklicherweise – große Veränderungen erfahren. Die Emanzipation und jede Welle des Feminismus haben das Frauenbild beeinflusst und besonders, aber nicht nur in der westlichen Gesellschaft spielte und spielt Kleidung und Mode hierbei eine ganz besondere Rolle.

Immer wieder haben soziale Umbrüche für mehr und mehr Rechte und Freiheiten gesorgt und wurden dabei von neuen Entwicklungen in der Modewelt begleitet.

Mode und Identität

Kleidung und die gesellschaftlichen Konventionen darum, die zu einer bestimmten Zeit herrschen, haben stets einen großen Einfluss darauf, wie diese Phase im Rückblick wahrgenommen wird. Kleider machen Leute heißt es schließlich nicht zu Unrecht – sie sind ein Spiegel unserer Persönlichkeit, mit der wir einen Teil dieser nach außen tragen können.

Schon im Jahr 1928 schrieb die britische Schriftstellerin Virginia Woolf, Kleidung hätte „viel wichtigere Aufgaben, als uns nur warm zu halten; sie verändert unseren Blick auf die Welt und den Blick der Welt auf uns.“

Dabei setzt sich die Bedeutung der Mode als Reflektion des Menschen aus mehreren Faktoren zusammen. Welche davon in welchem Fall eine größere Rolle spielen ist kaum bestimmbar, weshalb unter Sozialwissenschaftlern der direkte Zusammenhang zwischen Kleidung und persönlicher Identität häufig als Mythos bezeichnet wird.

  • Individueller Ausdruck: Jeder kann, zumindest heutzutage, frei entscheiden, was er oder sie anziehen möchte. Dadurch hat man praktisch eine weiße Leinwand, die man dazu nutzen kann, um etwas Bestimmtes auszudrücken. Das kann etwa eine persönliche Stimmung, die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, ein politischer Ausdruck oder eine ausgewählte Ästhetik sein.
  • Gesellschaftliche Konventionen: Mode selbst ist ein Begriff für die gesellschaftlich akzeptierten und erwarteten Kleidungsformen einer bestimmten Zeit – diese Normen umgeben uns stets und überall. Daher ist es praktisch nicht möglich, sich davon vollständig loszulösen und einen völlig individuellen Kleidungsstil zu haben.
  • Rebellion: Immer wieder, etwa im Rahmen von Jugendbewegungen, dienten Kleidung und Mode zum Ausdruck der Nonkonformität. Damit platziert sich dieser Aspekt genau in der Mitte der beiden anderen – die herrschenden Konventionen geben vor, was die jeweilige Rebellion nicht sein will und haben somit einen deutlichen Einfluss.

Der jeweilige Kleidungsstil einer Person ist meist gut wiedererkennbar und wird zu einem Teil der Persönlichkeit. Er ist jedoch in den allermeisten Fällen stark davon beeinflusst, welche Kleidung dank aktueller Trends im Handel erhältlich ist und beworben wird.

Die Bedeutung von Mode als ganzes Konzept auf einer breiteren, gesellschaftlichen Ebene mit ihren Umbrüchen ist jedoch ungleich größer. Neue Entwicklungen in der Welt der Textilien sind häufig direkte oder indirekte Resultate von Bewegungen in der sozialen Struktur, weshalb sie ein guter Spiegel der Veränderungen sind.

Mode und das Frauenbild

Insbesondere für Frauen spielten und spielen die vorherrschenden Konventionen für die Bekleidung eine große Rolle. Erst in den letzten hundert Jahren hat die Gleichberechtigung lange überfällige Schritte nach Vorn gemacht. Der Mode kam parallel dazu eine nicht unerhebliche Bedeutung zu.

Dabei kam es immer wieder zu Skandalen – vor allem, wenn neue Modeerscheinungen den konservativen Männern überhaupt nicht in den Kram passten. Bestimmte Kleidungsstücke zu tragen, die bis kurz davor noch undenkbar waren, entweder aufgrund gesellschaftlichen Konventionen oder sogar Gesetzen wie der Regensburger Kleiderordnung, war dann stets ein Ausdruck der Befreiung.

Gleich verhält es sich mit der Tatsache, dass die Bedeutung einer bestimmten, übergreifenden Mode deutlich nachgelassen hat. Einen allumfassenden Dress Code für Frauen (oder Männer) einer bestimmten Gesellschaftsschicht gibt es nicht mehr – im Ranking zu vergangenen Zeiten sind wir also heute deutlich individueller unterwegs.

Wer daran zweifelt, dass weibliche Bekleidung lange Zeit von gesellschaftlichen Bestimmungen eingeschränkt war, muss sich nur einmal die vorherrschende Mode im Laufe durch die Jahrzehnte und Jahrhunderte anschauen.

Bildnachweis: Good Studio : stock.adobe.com

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Es ist sehr auffallend, dass erst in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts wieder ein körperbetonter Kleidungsstil aufkommt, der auch das Zeigen von etwas mehr Haut erlaubt. Ebenfalls ein großer Umbruch: Die Hose, die erstmals 1970 in dieser Grafik auftaucht. Doch zu diesem und anderen Meilensteinen folgt später mehr.

Die Tatsache, dass große, mit viel Stoff alles verhüllende Röcke und Kleider für lange Zeit die weibliche Form kaum zur Geltung kommen ließen, kann sich sehr gut parallel zu Fortschritten in der Gleichstellung der Geschlechter sehen lassen.

Heute ist der Körper in unserer Gesellschaft nicht, was man verhüllen oder gar verstecken müsste, nichts Beschämendes. Selbst, wenn man dies explizit nicht so ausdrückt, so entsteht doch zumindest unterbewusst dieses Gefühl, wenn man dazu gezwungen ist, sich in lange und weite Gewänder zu hüllen, bevor man in die Öffentlichkeit treten kann.

Gleichzeitig waren die Kleider für offizielle Anlässe höchst unpraktisch und unbequem – hauptsächlich, da sie sehr häufig in Verbindung mit einem Korsett getragen wurden. Es ist mehr als offensichtlich, dass diese geradezu einzwängende Mode unmöglich von Frauen bestimmt war.

Auch heute noch begegnet man leider häufig dem Vorurteil, dass knapp bekleidete Frauen mit negativen Stereotypen in Verbindung gebracht werden. Natürlich kann man dies mit den Konventionen vergangener Jahrzehnte kaum mehr vergleichen – besonders seit den 60er Jahren ist die Gesellschaft demgegenüber wesentlich offener geworden. Dennoch kann man dieses Sentiment gut als Vergleich nutzen, wie Frauen am Übergang zum 20. Jahrhundert kaum in der Lage waren, etwa ihre Beine zu zeigen, ohne als schändlich angesehen zu werden.

Heute sind all diese Probleme glücklicherweise kaum mehr relevant. Sowohl knappere und körperbetonte Outfits sind nah an der vollkommenen gesellschaftlichen Akzeptanz, als auch individuellere Kleidungsstile. Viele Labels, die sich an junge moderne Frauen richten, stellen heutzutage charakterstarke und auffallende Kleidung her, die beliebig kombiniert werden kann. Selbstbewusstsein und Einzigartigkeit und der Ausdruck von Frauenpower spielen daher eine sehr große Rolle.

Das moderne Label Missguided zeichnet sich beispielsweise durch diesen Stil aus – eine Mischung aus femininen Schnitten, welche die Weiblichkeit betonen und gleichzeitig starken Looks, die Selbstbewusstsein und Unabhängigkeit vermitteln. Sie spiegeln damit in gewisser Weise auch das aktuelle Bild bzw. die Rolle der Frau heute wider.

Meilensteine der femininen Mode

Wiederholt haben wir Meilensteine und Umbrüche in gesellschaftlichen Kreisen bezüglich der Rechte und des Standes von Frauen erwähnt. Immer wieder waren die Bemühungen zu mehr Freiheiten mit gewagten Modeerscheinungen und neu aufkommenden Kleidungsstilen verbunden. Häufig waren es mutige Vorreiterinnen und Wegbereiterinnern, die ursprünglich Skandale auslösten aber damit langfristige Effekte auslösen konnten, die mitunter zeitlose Modetrends mit sich brachten.

1. KLEIDUNGSSTÜCKE

Für einzelne Klamotten, die alleine schon mit ihrer Existenz für Aufsehen gesorgt haben, gibt es viele Beispiele. Auch heute noch ist die Modewelt geprägt von vielen dieser zur damaligen Zeit noch sehr skandalösen Stücken. Sie waren für gewöhnlich etwas, was es bis dato in dieser Form noch nicht gegeben und lange geltende Normen durchbrochen hatte.

Was ebenso wichtig war, für die langanhaltende Bedeutung: Sie wurden entweder von Frauen selbst entworfen oder von ihnen popularisiert. Es sind also keine Kleider, die durch das Patriarchat oder konventionelle Werte vorgegeben wurden, sondern ein Ausdruck der Selbstbestimmung:

  • Der Minirock: Er hat seine Höhen und Tiefen, ist immer mal wieder für ein paar Jahre „in“, aber an Bedeutung und Bekanntheit verliert er nie. Der mittlerweile klassische Minirock hat eine bewegte Geschichte hinter sich: Zu Beginn der 1960er Jahre übernahm die britische Designerin Mary Quant das noch Design und machte es zum integralen Bestandteil ihrer Modekollektion.Von Anfang an traf das gewagte Kleidungsstück auf Skandalrufe und Proteste. Das hyperse*ualisierte Design sei zu provokant, hieß es noch. Dem Erfolg des heute auf der ganzen Welt verbreiteten Rockes tat dies jedoch keinerlei Abbruch. Frauen, die ihn trugen, setzten damit ein Zeichen von Unabhängigkeit und Selbstbestimmtheit.
Bildnachweis: berezko : stock.adobe.com

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  • Der Bikini: Es gibt kaum ein Kleidungsstück, das mehr Symbolcharakter hat als diese zweiteilige Bademode-Kombination. Auf das absolute Minimum an Stoff beschränkt verhüllt er nur das Wesentliche.Schon sehr früh, im Jahr 1946, wurde dieser vorgestellt und musste damals noch von einer exotischen Tänzerin aus Paris präsentiert werden. Der Designer Louis Réard konnte kein professionelles Fashionmodel finden, die sich wagte, den knappen Zweiteiler in der Öffentlichkeit zu tragen.
Er war seiner Zeit voraus und konnte erst, gemeinsam mit anderen, nur wenig verhüllenden Kleidungsstücken, im Laufe der 60er Jahre an Beliebtheit gewinnen. Doch seitdem wurde er schnell zu der Badebekleidung für Frauen schlechthin.
  • Die Jeans: Hosen selbst haben erst zwischen 1900 und 1920 an Popularität als Beinbekleidung für das weibliche Publikum gewonnen. Die klassische Bluejeans war damals noch reine Arbeitsbekleidung für Männer und das blieb so – bis inmitten des zweiten Weltkrieges, als in den USA aufgrund der Kriegsbemühungen viele Männer außer Landes waren.Ihre Frauen mussten dann einen Großteil der Wirtschaftsleistung in den Staaten stemmen, was auch bedeutete, dass sie mehr und mehr in Firmen und Fabriken arbeiteten. Dafür griffen sie – aus praktischen Gründen – zu den Denim-Hosen ihrer abwesenden Männer. Erst einige Jahre später kam es dann zu ersten Designs und Schnitten, die explizit für Frauen entworfen waren. Damit gewannen Hosen als Damenbekleidung in allen Lebensbereichen erst an Bedeutung.
  • Hosenanzüge: Der Hosenanzug, der für Frauen das Äquivalent zur zeitlosen Männerbekleidung darstellt, hat eine interessante Geschichte hinter sich: Bevor er zum Markenzeichen unserer Bundeskanzlerin werden konnte, durchlebte er mehrere Phasen, um nach und nach an gesellschaftlicher Akzeptanz zu gewinnen.
In Deutschland wurde er zunächst von Marlene Dietrich während der 30er Jahre salonfähig gemacht – in der breiten Gesellschaft war er lange Zeit kaum von Bedeutung.Ein Kleid oder eine Kombination mit einem Rock waren damals die standardisierte Garderobe. In den 60ern wurde die Kombination dann weltweit populärer, jedoch immer noch mit einer nur schleichenden Akzeptanz. Das blieb trotz der vereinzelten Auftritte auch lange so – selbst in den 90er Jahren noch mussten Senatorinnen in den USA für das Recht kämpfen, während Sitzungen Hosenanzug tragen zu dürfen.
  • Das kleine Schwarze: Nach dem ersten Weltkrieg tauchten bereits erste Entwürfe auf, unter anderem von Coco Chanel. Nach und nach wurde es zu einem legendären, wandlungsfähigen „Essential“ in der Garderobe jeder eleganten Frau.Dabei halfen nicht zuletzt hochwirksame Medienauftritte, wie etwa dem Satinkleid, das Audrey Hepburn 1961 in der ersten Szene des Kultstreifens Frühstück bei Tiffany trug. Da das Kleid so wandlungsfähig ist, hat es auch andere Veränderungen mit adaptiert. So ist es beispielsweise auch als Minikleid in einem kürzeren Schnitt erschienen, nachdem der Minirock diesen Weg geebnet hatte.

Aufmerksamen Lesern ist vielleicht aufgefallen, dass die 1960er Jahre hier besonders häufig Erwähnung fanden. Das ist keineswegs ein Zufall. Zum einen waren es häufig Reaktionen auf die eher konservative Mode des vorhergehenden Jahrzehnts. Zum anderen haben die vielen Facetten der Frauenrechtsbewegung, die zu dieser Zeit erneut aufkam, einen großen Effekt auf das selbstbestimmte Bild des weiblichen Geschlechts gehabt. Diese zweite Welle des Feminismus kümmerte sich mehr um gesellschaftliche Makel in Bezug auf die soziale Stellung von Frauen und deren kulturelle Unterdrückung.

Das bedeutete, dass die Themen dieser Bewegung weit persönlicher und privater waren, als vorherige Bestrebungen. Daher war der individuelle Ausdruck der Selbstbestimmtheit ein äußerst wichtiger Aspekt dieser Strömung, was sich dann ganz natürlich auch in einschneidenden Veränderungen in der Mode niederschlug.

Nicht länger wollten sich Frauen von den althergebrachten, zumeist von Männern bestimmten Konventionen steuern lassen. Ihre Figur zu verstecken oder möglichst viel Haut zu verhüllen war keine Option mehr, man wollte voll und ganz Frau sein können und das auch nach außen tragen.

Was in den Metropolen der Roaring Twenties bereits unter der damaligen High Society einen ersten Start gefunden hatte, wurde in den Sechzigern vollendet. In der aufkommenden Popkultur, die den Individualismus betont, schufen Frauen dann ihren ganz eigenen Platz.

Bildnachweis: blantiag : stock.adobe.com

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2. VORREITERINNEN

All das wäre ohne einige wenige starke Frauen, die wichtige Vorarbeit geleistet haben, nie möglich gewesen. Einige davon kennt man noch bis heute, während andere trotz ihrer Bemühungen kaum noch anhaltende Bedeutung zukommt:

Coco Chanel

Hier muss dringend ein bereits erwähnter Name fallen. Der oben schon genannten französischen Modeschöpferin Coco Chanel kann man eine lange Liste an einflussreichen Errungenschaften zuschreiben, die das Gesamtbild der Mode von Grund auf verändert haben.

Aus ihrer Feder stammen zahlreiche Designs, die dank ihrer Fokussierung auf Praktikabilität und Eleganz zu Wegbereitern für eine Revolution in der Modewelt wurden. Mit ihrer Schaffenszeit zwischen 1913 und den 50er Jahren war sie somit schon früher dran, als die meisten anderen einflussreichen Akteure in der Emanzipation der Frauenmode.

Wiederholt betonte sie den ursprünglichen Beweggrund hinter ihren neuartigen Entwürfen: Mit der Aussage „Ich habe die Frauen aus dem Korsett befreit“ summiert sie ihr Lebenswerk. Das war immer der Hintergrund bei ihren Kleidungsstücken, auch, wenn sie für Haute Couture Kreise entworfen waren.

Sie sollten funktionell sein. Daher waren bei ihr das Korsett, aber auch lange Röcke und Kleider, die beim Gehen unpraktisch waren, absolut tabu. Dabei waren ihre Entwürfe sonst eher schlicht und elegant, teilweise von Männermode inspiriert. Frauen sollten sich bewegen und lachen können, ohne dabei aus Atemnot in Ohnmacht zu fallen. Ein Vergleichament an ihre neue, freiere Rolle in der Gesellschaft war gemacht.

Mode der arbeitenden Frauen

Eher zufälligen, tragischen Umständen geschuldet, kam es in den 1940er Jahren – also während dem zweiten Weltkrieg – insbesondere in den USA zu einem plötzlichen Umbruch in den Geschlechterrollen. Ähnliche Umstände gab es bereits zu früheren Kriegszeiten und andernorts, beispielsweise während des ersten Weltkrieges in Deutschland.

Bildnachweis: MMphotos : stock.adobe.com

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Doch ihre Arbeit in Großindustrien wie dem Flugzeugbau, die Frauen zu dieser Zeit in den Staaten vermehrt übernahmen, verlangte viel Einsatz und praktikable Arbeitskleidung. Wie zuvor bereits erwähnt, fanden viele so den Weg zu den Bluejeans. Zum Sinnbild dieser Entwicklung wurde ein weltbekanntes Motivationsposter der Rüstungsindustrie von 1942, das eine Arbeiterin im Overall und mit Haarband zeigt. Heute kommt dieses Bild mit der Aufschrift „We Can Do It!“ immer noch häufig vor dem Hintergrund des Feminismus zum Einsatz.

Mary Tyler Moore

In Europa nur von indirekter Bedeutung, so hatte die Schauspielerin Mary Tyler Moore eine wichtige Rolle in der Popularisierung von Hosen in der Gesellschaft Amerikas. Sie spielte in den 60er Jahren in äußerst beliebten Comedy-Serien im Fernsehen und legte dabei einen großen Wert darauf, trotz Einwänden der männlichen Produzenten so oft wie möglich – oft heimlich – in Hosen vor der Kamera zu stehen.

Dies tat sie laut eigener Aussage, um der Öffentlichkeit zu zeigen, dass normale Frauen in ihrem eigenen Zuhause im Alltag keine unpraktischen Kleider tragen, wie sie als akzeptabler Dresscode galten. Das mag nicht nach einer großen Sache klingen, doch erstmals wurde im sich immer mehr verbreitenden Fernsehen ein realistisches Bild gezeigt, das aussagte, dass es okay ist, sich als Frau so zu zeigen wie man wirklich ist.

Gorgeous Gussie

Hierbei handelt es sich um eine wahre Kuriosität, die zeigt, wie wenig die Welt vor den weiteren Entwicklungen der Emanzipation bereit war, selbstbestimmte Frauenmode abseits der Konventionen in der Öffentlichkeit zu akzeptieren.

Beim Wimbledon-Turnier im Jahr 1949 trat die US-Amerikanische Spielerin Gertrude „Gussie“ Moran an und ließ sich nach eigenen Vorstellungen ein Tenniskleid dafür schneidern. Dieses war kurz genug, dass die darunter getragene Spitzen-Unterwäsche im Eifer des Gefechts hin und wieder sichtbar waren – heutzutage nicht mal mehr Grund für ein Achselzucken.

Damals jedoch kam es zu einem wahren Eklat. Sie wurde als „vulgär und sündhaft“ bezeichnet. Der Designer des Kleids, Tennislegende und Wimbledon-Funktionär Ted Tinling, wurde dafür sogar von seiner Position gefeuert.

Emanzipation und Mode

Bildnachweis: Natalia Chircova : stock.adobe.com

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Bekleidung hat immer wieder eine große Rolle in der fortschreitenden Emanzipation gespielt. Die heute verfügbare Vielfalt ist nur dadurch möglich, dass nach und nach im Laufe der Jahrzehnte die gesellschaftlichen Normen wiederholt angefochten wurden.

Durch die letzten Jahrzehnte hat sich die Mode zwar stetig verändert, diese freiheitsbetonenden Grundsätze sind jedoch erhalten geblieben. Insbesondere die erhöhte Alltagstauglichkeit moderner Kleider ist ein Resultat der Emanzipation und wachsenden Selbstbestimmung.

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