Was ist Masochismus: Die selbstzerstörerische Persönlichkeitsstörung

Erfahre den Unterschied zwischen Masochismus und Sadismus ✔️

Was ist Masochismus- Die selbstzerstörerische Persönlichkeitsstörung

Masochismus ist ein Begriff, den wir alle schon mal gehört haben, doch so recht können wir uns darunter nichts vorstellen. Was Masochismus genau ist, welche verschiedenen Arten es gibt und welche Unterschiede es zum Sadismus gibt, erklären wir dir hier in diesem Artikel.

Was ist Masochismus? 🤔

Die offizielle Definition für Masochismus ist wie folgt „Als Masochismus wird bezeichnet, wenn ein Mensch (oftmals sexuelle) Lust oder Befriedigung dadurch erlebt, dass ihm Schmerzen zugefügt werden oder er gedemütigt wird.“ (1) Doch Masochismus ist viel mehr als das, denn es gibt verschiedene Arten und muss sich nicht notwendigerweise als sexuelle Praktik äußern.

Der Ursprung dieses Begriffs beläuft sich auf den Rechtsmediziner Richard von Krafft-Ebing, der in seinen Werken wie „Psychopathia sexualis“ aus dem Jahre 1886 die Sexualität des Menschen untersuchte. Dies ist die erste Verschriftlichung des masochistischen Begriffs.

Auch in der Kunst offenbarte sich der Masochismus in indirekter Form, wie beispielsweise in Leopold von Sacher-Masochs Werk „Venus im Pelz“, welches eine sehr dominante Frau darstellt, welche über den Mann herrscht. Im echten Leben hatte Sacher-Masoch ebenfalls seine persönliche „Venus im Pelz“ namens Fanny Pastor.

Hierzu äußert sich Sacher-Masoch wie folgt:

„Daß das Weib, wie es die Natur geschaffen und wie es der Mann gegenwärtig heranzieht, sein Feind ist und nur seine Sklavin oder seine Despotin sein kann, nie aber seine Gefährtin. Dies wird sie erst dann sein können, wenn sie ihm gleich steht an Rechten, wenn sie ihm ebenbürtig ist durch Bildung und Arbeit.“ (2.)

Dies ist zugleich der Grundgedanke hinter dem Masochisten, der die Unterwürfigkeit des Mannes thematisiert und zugleich die Frau als starkes Geschlecht darstellt.

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Verschiedene Arten des Masochismus 📌

Was viele Menschen nicht wissen, wenn sie denken, sie wüssten was Masochisten sind, ist die Tatsache, dass es verschiedene Arten gibt. Sigmund Freud entwarf Anfang des 20ten Jahrhunderts das Modell der drei verschiedenen masochistische Arten. Neben dem femininen Masochismus, gibt es den erogenen Masochismus und den moralischen Masochismus. Hier erfährst du, was hinter diesen Begriffen steckt und was diese bedeuten.

Der feminine Masochismus

Als femininen Masochismus bezeichnet man die Praktik in der die Frau, als dominantes Glied über den Mann herrscht und dieser eine infantile Position einnimmt. Hierbei ist der Grundgedanke eine Mutter, die ihr Kind bestraft. Es hat etwas verbotenes getan und wird demnach von der Mutter zurechtgewiesen, zugleich fühlt sich der Mann schuldig und unterwirft sich. Dabei befriedigt sich der Mann selber oder nutzt es als Vorspiel für den Geschlechtsakt.

Der erogene Masochismus

Als erogenen Masochismus bezeichnet sich der Akt der Schmerzzufuhr, die eine sexuelle Erregung hervorruft. Dabei erregt sich der Mann durch den Schmerz, dabei durchläuft er alle Entwicklungsphasen der Freudschen Libido „Die Angst vom Vater gefressen zu werden (primitive orale Phase), der Wunsch vom Vater geschlagen zu werden (sadistisch-anale Phase) bis zur phallischen Phase der Kastrationsangst.“ (3)

Der moralische Masochismus

Der Mensch neigt dazu sich selber zu zerstören, vor allem wenn aus persönlichen Gründen negative Empfindungen wie Schuldgefühle sich offenbaren. Freud sieht die Gründe zwischen der Spannung von Ich und Über-Ich, die sich schließlich in der Destruktion der eigenen Person äußern. Hierbei ist es nicht wichtig, ob eine fremde oder eine nahestehende Person die Gewalt ausübt, es geht nur darum sich selber körperlich zu schaden.

Masochismus wird in drei unterschiedlichen Punkten differenziert und bilden alle eine gewisse eigenart
Masochismus wird in drei unterschiedlichen Punkten differenziert und bilden alle eine gewisse eigenart

Die 3 Kategorien der Masochisten nach Ernst Bornemann 🎯

Auch der Sexualforscher Ernst Bornemann konzipierte seine eigenen Modelle zum Phänomen Masochist in den 60er und 70er Jahren. Dabei bezieht es sich im Gegensatz zu Freud auf eine nicht-sexuelle Basis.

 1.  Nichtsexueller oder psychischer Masochismus

Diese Menschen genießen die Niederlagen und Demütigungen im Leben und zielen mit ihrem Verhalten darauf ab zu Versagen. Sie führen Misserfolge absichtlich herbei.

 2.  Sexueller oder Konjunktions-Masochismus

Der sexuelle Masochist hingegen lässt sich beim Geschlechtsverkehr von seinem Partner unterdrücken, dabei kann es auch zu harter Gewalt und Verletzungen kommen.

 3.  Perverser oder Kompensations-Masochismus

Hierbei geht es lediglich um den physischen Schmerz, der vollends den sexuellen Akt ersetzt und der Mann die Befriedigung durch reines Schmerzempfinden erreicht.

Unterschiede zum Sadismus 👇

Auch der Begriff des Sadismus ist weit verbreitet, doch die genau Bedeutung, vor allem in Zusammenhang mit dem Masochismus ist kaum bekannt. Im Prinzip ist der Sadismus das komplette Gegenstück zum Masochismus.

Im Sadismus erlangt die Person volle Befriedigung durch das erteilen von Schmerz und Leid, wohingegen im Masochismus diese Befriedigung durch das Erleiden des Schmerzes kommt.

Demnach bilden diese beiden Phänomene eine Symphonie, welche sich im Sadomasochismus vereinigt. Der Sadomasochismus, auch SM gennant, ist vor allem als BDSM Praktik verbreitet. Hierbei erfolgen Sexpraktiken die auf Schmerz verursachen und Schmerz empfinden bestehen.

Was ist Sadismus?

Die offizielle Definition des Begriffs „Sadismus“ ist wie folgt „Als Sadismus im medizinischen Sinne wird bezeichnet, wenn ein Mensch Lust oder Befriedigung dadurch erlebt, andere Menschen zu demütigen, zu unterdrücken oder ihnen Schmerzen zuzufügen. In gewissem Rahmen kann sich Sadismus auch durch tierquälerische Handlungen ausdrücken.“ (4)

Hierbei bezieht sich der Sadismus im Gegensatz zum Masochismus auf die Person, welche den Schmerz verursacht, statt diese zu empfinden. Als Sadist bezeichnet man einen Menschen, der Befriedigung erlangt durch das Verursachen von Schmerz und Leid.

Der Unterschied zwischen Sadismus und Masochismus liegt dabei, dass die Person den Schmerz anderer erteilt, um sexuelle Befriedigung zu erlangen
Der Unterschied zwischen Sadismus und Masochismus liegt dabei, dass die Person den Schmerz anderer erteilt, um sexuelle Befriedigung zu erlangen

Die Kombination aus Masochismus und Sadismus

Die beiden Begriffe Masochismus und Sadismus sind weiterverbreitet, meistens werden sie in Kombination verwendet als Sadomasochismus, auch als SM bekannt. Diese sexuelle Praktik verbindet diese beiden Sexualformen.

Hierbei spielt die Frau als Sadistin die Rolle der Dominanz, welche Leid und Schmerz durch beispielsweise Schläger verursacht und der Mann, welcher sich dieser ergibt und Befriedigung durch den Schmerz erreicht.

Bei dieser Sexpraktik erreichen beide Partner den sexuellen Höhepunkt durch zum einen das Schmerz verursachen und zum anderen das Schmerz einstecken, dies geschieht einvernehmlich.

Definition des Sadomasochismus

Der Sadomasochismus ist eine weiterverbreitet Sexpraktik, die sich als Teil des Masochismus, sowie des Sadismus erstreckt, die offizielle Definition lautet „Als Sadomasochismus wird in der Regel eine sexuelle Devianz verstanden, bei der ein Mensch Lust oder Befriedigung durch die Zufügung oder das Erleben von Schmerz, Macht oder Demütigung empfindet.

Die Bezeichnung entsteht aus einer Zusammenziehung der beiden Begriffe Sadismus und Masochismus, die die jeweilige Ausrichtung hinsichtlich des aktiven beziehungsweise passiven Erlebens beschreiben.“(5)

Diese Praktik ist vor allem in der BDSM Szene verbreitet und basiert auf einer einvernehmliche Verbindung zwischen Sadist, als Person die den Schmerz verursacht und Masochist, welcher den Schmerz aufnimmt.

Masochisten mit Persönlichkeitsstörung 🔑

Neben dem Masochist in sexueller Hinsicht hat der Psychotherapeut Mitte des 20ten Jahrhunderts verschiedene Persönlichkeiten studiert und ein Modell der masochistischen Persönlichkeit erstellt.

Demnach haben masochistische Persönlichkeitsbilder folgende Merkmale, sie sind zum einen sehr unterwürfig, stellen sich gerne als Opfer dar und lassen es zu von anderen Menschen unterdrückt zu werden.

Sie sind generell eher negative Menschen mit ausgeprägten Hass- und Feindseligkeitsgefühlen.

Sie haben nicht das Selbstbewusstsein für sich selber einzustehen, was ein stetiges Jammern und meckern, über die verschiedensten Dinge mit sich zieht. Sie fühlen sich schnell angegriffen und haben Angst vor ihren eigenen Kapazitäten für gewalttätige Ausbrüche.

Wichtig ist hier noch festzuhalten, dass diese Eigenschaften in Kombination mit der Diagnostik einer masochistischen Persönlichkeitsstörung nur von einem Facharzt festgestellt werden kann.

Masochisten sind generell sehr unterwürfig und lassen sich von anderen Menschen unterdrücken
Masochisten sind generell sehr unterwürfig und lassen sich von anderen Menschen unterdrücken

Die Welt des Masochisten ✅

Der Masochismus ist heutzutage eine eigene Industrie, welche spezielle Materialien und Gegenstände anbietet. Es gibt darauf basierenden sexuelle Filme, Foren, in denen sich Gleichgesinnte austauschen können, explizite Veranstaltungen, wo sich Dominante und Unterwürfige finden und Treffen verabreden können.

Sie kombinieren ihre Sehnsüchte und Fantasien in ihren Alltag und führen meistens ein Doppelleben. Da Masochismus und Sadismus weiterhin Tabu Themen sind, wird es in der Gesellschaft verschwiegen.

Wie bekannte Theorien hinter Sigmund Freud und Ernst Bornemann zeigen, liegen die Ursprünge des Masochismus meist in der Kindheit. Oftmals haben diese Menschen eine brüchige Beziehung zu ihrer Mutter, was sich in verschiedenen Eigenschaften, wie dem Gefühl nicht gut genug zu sein äußert.

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Diese Menschen tendieren ebenfalls, dazu diese Neigungen in der Öffentlichkeit durch starke Dominanz zu überkompensierten. Durch die vielen Arten des Masochismus zeigt sich dieser nicht immer in der typischen Form, heißt starke Frau herrscht über unterwürfigen Mann. Es kann sich zudem in psychischer Form offenbaren, indem die Person ihre Befriedigung aus Misserfolg zieht und diese regelrecht provoziert.

Des Weiteren müssen Masochisten auch nicht notwendigerweise etwas mit einer dominanten Frau zu tun haben, oft geht es alleine um den Schmerz, der als positiv und erregend empfunden wird.

Masochisten haben viele Facetten, welche sich auf sexuelle Begierden und zugleich psychische Eigenschaften beruht.

Der Sadomasochismus ist hierbei eine Kombination aus dem Masochist und dem Sadist, diese Symbiose besteht aus zwei Individuen, die einvernehmlich diese sexuelle Praktik ausüben. Dabei übt die eine Partei ihren Sadismus aus, indem sie Schmerz verursacht und die andere Person ihren Masochismus, indem diese den Schmerz einsteckt.

Das Thema Masochist ist ein interessantes Feld, in dem es noch viel zu lernen gibt, die genauen Gründe und Ursprünge können nur geschätzt werden, doch bisher gibt es keine ausschlaggebenden Punkte in den Leben der betroffenen Menschen.

Bekannte Psychologen wie Sigmund Freud, sind sich dennoch einig, dass die Kindheit hier eine wichtige Rolle für die Entwicklung dieser sexuellen Neigung gibt. Als stetiges Tabu Thema ist der Begriff Masochismus zwar in der Gesellschaft bekannt, doch der Hintergrund und die genaue Bedeutung nicht.

Quellen
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Masochismus
  • https://www.desired.de/liebe/sex/lexikon/masochismus/
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Sadismus
  • https://de.wikipedia.org/wiki/Sadomasochismus
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